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Im Trend: der Gender-Doppelpunkt

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Liebe Leser:innen,

haben Sie den Doppelpunkt im Wort soeben wohlwollend wahrgenommen?

Das persönliche Trendbarometer schlägt aktuell beim Gender-Doppelpunkt sehr stark aus. Er scheint ein gerne genutztes Mittel zu sein, sich zu positionieren. Als nahe dran an aktuellen Themen, als geschlechtergerecht und allgemein als “woke”. Auch Marken, denen eine Positionierung von Natur aus innewohnt, steht die Verwendung des Gender-Doppelpunkts gut zu Gesicht. Sie wollen dadurch eine noch stärkere Sensibilität gegenüber den Bedürfnissen anderer zum Ausdruck bringen, als es mit den „traditionellen“ Gender-Gepflogenheiten möglich ist. Warum? Weil der Gender-Doppelpunkt wie auch der Gender-Stern (Asterisks) und der Gender-Gap als nicht binär gelten, also nicht ausschließlich männliche und weibliche Personen einschließen. Sie umfassen per Definition alle Geschlechter.

Das Binnen-I

Das Binnen-I ist so eine binäre Form des Genderns. Kennt jeder. Verwenden einige. Es kam in den 80ern auf und ist in jüngster Zeit etwas in Verruf geraten. Warum, ist interessant. Zum einen – wir hatten es bereits – weil es das dritte Geschlecht, divers, nicht einschließt. Zum anderen missfällt manchen Verfechter:innen geschlechtersensibler Sprache die phallische Form des Binnen-Is, und dass das Weibliche wiederum hinter das männlich “aufgereckte” I gedrängt wird. Merke: Binnen-Is sind vom Gedanken her gut, zeigen aber, dass man – was das Gendern angeht – nicht auf der Höhe der Zeit ist.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung fand heraus: „Der Schreibgebrauch zeigt zwar in den letzten Jahren sowohl in Deutschland wie in Österreich einen signifikanten Rückgang des Binnen-I, aber die Frequenz dieser Form ist immer noch um den Faktor 15 größer als die des Asterisks.“ Meine Prognose: Dieses Verhältnis wird sich in den kommenden Jahren umkehren.

Hinderungsgründe fürs Gendern

Eine gendergerechte Sprache ist richtig und wichtig, aber schwierig. Vor allem Schreiber:innen, denen auch an Effizienz und Ästhetik gelegen ist, stellt Gendern vor Herausforderungen. Natürlich gibt es Ersatzformen: neutrale Bezeichnungen für Personengruppen wie Personal, Belegschaft, Team oder unpersönliche Institutionsbezeichnungen wie die Leitung oder die Personalvertretung. Sie sind jedoch sehr allgemein, funktionieren nur bedingt und die einzelnen Personen gehen darin unter.

Dann gibt es noch die so genannte Verlaufsform. Damit sind Umschreibungen wie Lernende, Auszubildende, Mitarbeitende gemeint. Sie enthalten eine grammatikalische Ungenauigkeit, über die man gelernt hat hinwegzusehen. Denn Studierende sind streng genommen Menschen, die in diesem Moment studieren. Kommen wir nun zu den Doppelpunkten, Gender-Gaps und Asterisks. Sie werden alle gleich angewandt. Worin sie sich unterscheiden? Zum einen im Platz, den sie im Wort beanspruchen. Zum anderen in ihrer symbolischen Aufladung. Kurz gesagt, schafft der Gender-Gap auch im übertragenen Sinne Raum für weitere Geschlechter und die Strahlen des Asterisks stehen für alle geschlechtlichen Richtungen. Und der Doppelpunkt besticht möglicherweise dadurch, dass er einfach ein normales Satzzeichen ist.

Beispiel gefällig? Aus „der Arbeitsplatz des Altenpflegers“ wird gegendert zu „der Arbeitsplatz des oder der Altenpflegers*Altenpflegerin“. Kürzer? Geht auch, jedoch fehlt bei der männlichen Form leider das Genitiv-s: der Arbeitsplatz des oder der Altenpfleger*in. Man sieht: Gendern und Grammatik vertragen sich manchmal nicht so gut.
„Der Arbeitsplatz des/der AltenpflegerIn(s)“ gewinnt wohl keinen Schönheitspreis. Hier empfiehlt es sich, auf andere Möglichkeiten des Genderns auszuweichen. Auf „Der Arbeitsplatz einer Pflegekraft in der Altenbetreuung“ etwa.

Man merkt: Gendern ist kompliziert. Und oft lenkt es den Fokus statt auf die eine Sache auf eine andere Sache. Wie in diesem Beispiel aus einem österreichischen Lesebuch für Sechs- bis Zehnjährige: „Eine/r ist Zuhörer/in, der/die andere ist Vorleser/in. Eine/r liest den Abschnitt vor, der/die Zuhörer/in fasst das Gehörte zusammen.“

Die Vermeidung unnötiger Komplexität ist die Haupttriebfeder des Sprachwandels. (Sie macht seit einigen Jahren auch dem Genitiv zu schaffen.) Und viele sehen in gendergerechter Sprache ohnedies kein geeignetes Mittel, Gleichstellung zwischen den Geschlechtern zu erlangen. Wenn es jedoch dabei helfen kann, warum darauf verzichten?

Sehen wir’s positiv

Niemand kann zum Gendern gezwungen werden. Haben vor wenigen Jahren drei Verfassungsrichter des deutschen Bundesgerichtshofs im „Sparkassen-Urteil“ festgehalten. Dabei bietet Gendern Unternehmen die Möglichkeit, auf Leser:innenwünsche einzugehen. Nämlich persönlich angesprochen zu werden anstelle von nur mitgemeint zu sein. Marken, die gendern, erweisen ihren Kund:innen also einen Dienst – und auf lange Sicht bestimmt auch sich selbst. Sie setzen damit ein Signal für politische Korrektheit.

Die Möglichkeiten, gendersensibel zu schreiben, sind vielfältig. Bestimmt ist auch für Ihr Unternehmen und Ihre Zielgruppe die passende Variante dabei ist. Und sei es das Binnen-I.

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